Was wäre wenn alle machen würden, was sie wollen

„Wo kämen wir denn hin, wenn alle machen würden, was sie wollen?“ Haben Sie den Satz schon einmal gehört? Eine sehr verbreitete Redensart. Meist dann angewandt, wenn ein Kind spontan seinen Impulsen nachgeht. Oder es erzählt, was es für Wünsche und Träume für sein Leben hat. Mit diesem Satz wird das Kind auf den vermeintlichen Boden der Tatsachen heruntergeholt und in seiner freien Entwicklung extrem eingeschränkt, fürs Leben geprägt.

Bei der Wahl der Schule geht es dann auch häufig vordergründig darum, was „das Beste“ für die Zukunft des Kindes ist. Leider oft, ohne zu schauen, was das Kind jetzt gerade braucht und meist auch ohne es selbst in die Entscheidung mit einzubeziehen. Der entscheidende Faktor bei der Berufswahl ist dann, etwas Vernünftiges zu finden. Wie ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt, was ist zukunftssicher, …

Aber auch Erwachsene, wenn sie aus Ihrem Alltagstrott, ihrem Hamsterrad-Leben aussteigen wollen, bekommen diese Worte häufig vorgehalten. Und oft funktioniert es und der Betreffende reiht sich schnell wieder in das bisherige Leben voller vermeintlicher Verpflichtungen ein: „Ja stimmt, was wäre, wenn alle machen würden, was sie wollen?“

Wenn ich diesen Satz höre, sage ich: "Ja, genau da will ich hin!"

Oft bekomme ich als Antwort, dass dann nichts mehr funktionieren würde. Alles würde in einem totalen Chaos zusammenbrechen. Jeder würde sich nur noch um sich kümmern, endlos Urlaub machen und haben, haben, haben wollen.

Ich glaube das nicht!

Ich bin überzeugt davon, dass die Rechnung aufgehen würde!

Ja, vielleicht ist es tatsächlich so, dass viele erst einmal an Urlaub denken, an „nie wieder arbeiten“, „sich nur noch bedienen lassen“, an materiellen Reichtum ohne Ende. Aber diese Wünsche entstehen doch aus einem über Jahre / Jahrzehnte gelebten Mangel heraus und haben wenig mit den wirklichen Herzenswünschen zu tun.

Ich bin überzeugt davon, dass eines der Grundbedürfnisse von uns Menschen ist, geben zu wollen. Nicht aus einer Verpflichtung heraus, sondern weil es ein Teil unseres Daseins ist, unsere Gaben, die wir mitgebracht haben oder im Laufe unseres Lebens entwickeln, in die Welt hinauszubringen, sich damit zu zeigen. Und dabei spielt es keine Rolle, was es ist.

In den 1990er Jahren bin ich mal mit einem Straßenkehrer ins Gespräch gekommen. Er erzählte geradezu liebevoll von seinen verschiedenen Besen, so leidenschaftlich von seinem Tun und von der Wichtigkeit seiner Arbeit. Er lebte und liebte diesen Beruf, ging darin auf. Das war seine Berufung. Ich habe ihn als rundum zufriedenen Menschen wahrgenommen.

Immer wieder erinnere ich mich an dieses Gespräch. Dieser Mann hat mich seinerzeit tief beeindruckt und mich etwas verstehen lassen.

 

Und jetzt bitte ich Sie, nehmen Sie sich gleich einmal etwas Zeit und lassen Sie diese Vorstellung einmal zu:

„Wie sähe die Welt aus, wenn alle machen würden, was sie wirklich von Herzen machen wollen?“